Aber ich habe mich dafür entschieden, auch diesen Teil bewusst zu verarbeiten und in gesunde Gedanken umzuwandeln. Es wäre nicht gesund, etwas so Gewichtiges einfach zu ignorieren. So zu tun, als hätte es diese 20 Jahre nicht gegeben.... Es gibt ganz wenige von meiner Sorte, die das auch tatsächlich gemacht und geschafft haben. Persönlich kenne ich niemanden. Und noch weniger sind es, die es sich trauen all die peinlichen Details zu erzählen, weil diese Dinge für andere Menschen selbstverständlich sind. Ich fasse mir den Mut. Ich will etwas verändern. In baldiger Zukunft wird mir das möglich sein.
Gerade hatte ich das Buch beendet. Ich klappe den Deckel zu, lege es zur Seite und meine Gedanken sind eine Weile ganz still. Zuviel war in diesem Moment aufgewühlt worden...
Plötzlich wünschte ich, zum ersten Mal seit Jahren, ich wäre wieder 16. Alles war wieder bildlich vor mir. Ich wollte in mein Zimmer, mein Bett. Meine geliebte alte Katze liegt wieder vor mir und ist glücklich über die Nachmittagssonne, die durch die großen Fenster scheint. Draußen unser Garten, abgesehen von Naturgeräuschen ist es ruhig. Und dann - ich höre meinen Vater unten in der Küche. Ich gehe hinunter ins Erdgeschoss, mache uns einen Kaffee und wir reden und lachen über alles Mögliche. Es ist einer der guten Nachmittage, an denen er mich nicht anschreit und ich nichts "angestellt" hatte. Er fehlt mir. Wir dürfen nicht mehr miteinander sprechen. Ich bin jetzt Abschaum. Mir fehlt auch die Wärme, die Geborgenheit unseres Hauses. Die war zwar damals auch nicht vorhanden, aber immer noch etwas mehr als in dieser großen furchterregenden Welt in der man als erwachsener Mensch bestehen muss - alleine für alles verantwortlich ist. Ich kannte diese normale Welt bis vor ein paar Jahren nicht. Ich komme gut zurecht, fremd ist mir dieses Leben schon lange nicht mehr. Aber die Angst in mir kommt trotz allem noch hin und wieder hoch. In manchen Nächten, wenn alles still ist und die Gedanken dafür immer lauter werden. Wenn ich nicht von Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit unterscheiden kann. Diese Angst ist wie die eines fünfjährigen Mädchens, das plötzlich ohne Mama mitten in einer Großstadt ausgesetzt wird. Hilflos, alleine. Von vielen Gefahren umgeben, die sie bisher nur vom Hörensagen kannte....
ich steh auf, und bald sind diese Gefühle wieder sicher verstaut. weiter gehts mit meinem jetzigen Leben und es ist gut so
Anmerkung:
wie im ersten Blogeintrag angekündigt, ein ziemliches Durcheinander. aber beabsichtigt ;)
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